Freitag, 30. Dezember 2011

Kein Wort von der Weihnachtszeit

In einer epd-Pressemeldung räsonniert jemand über die Zeit "zwischen den Jahren". Ob die Infos alle so stimmen, sei mal dahin gestellt (ich hab da so meine Zweifel). Eine Sache finde ich aber unververständlich für eine Seite der EKD: Warum wird mit keinem Wort betont, dass der genannte Zeitraum nach evangelischem Verständnis die eigentliche Weihnachtszeit ist?
Im Artikel heißt es statt dessen: "die Zeit zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag". Schade, dass hier nicht deutlich gemacht wird: Weihnachten ist die Zeit zwischen dem Weihnachtsfest und Epiphanias. Möglicherweise liegt es daran, dass die Verfasserin oder der Verfasser sich sehr an einer katholischen Reflexion über diesen Zeitraum orientiert (Der Text "Zwischen den Jahren" von Manfred Becker-Huberti). Schade finde ich es vor allem deshalb, weil so nur unterstrichen wird, was längst allgemeine Tendenz ist: Die Weihnachtszeit ist im Advent, der Advent selbst verschwunden, das Weihnachtsfest findet am 24. Dezember statt und am 25. und 26.12. hat man frei, um die Verwandschaft zu besuchen.

Liebe christliche Verlage und Gemeindedienstausrüster:
Statt immer nur bedruckte Kerzen und Taschenlampen zu produzieren hab ich einen Vorschlag: Stellt doch mal einen echten Advents- und Weihnachtskalender her. Einen, der vom 1. Advent über das Weihnachtsfest bis Epiphanias reicht (für kath. Leser: der Dreikönigstag). So wie es seit Jahren "Der andere Advent" vormacht. Es müsste nur für den Gemeindeeinsatz etwas kostengünstiger ausfallen. Ich wäre ein potentieller Kunde. Und würde auch einen der EKD als Information zur Verfügung stellen.

Freitag, 28. Oktober 2011

Thematische Konzentration auf homilia.de

Ich bin gerade dabei, meine Netzseite homilia.de umzugestalten. Bisher war sie eine normale Webseite, jetzt wird daraus ein Blog. Die Themen Predigt und Kreatives Schreiben werden dort in Zukunft konzentriert. Die alten Einträge zu dieser Thematik auf dieser Seite ziehen nach und nach um - unter dem alten Veröffentlichungdatum. Holmespeare.de wird in Zukunft mein Notizbuch im Netz - wie ich alles sammle, was mich sonst noch interessiert.

Montag, 26. September 2011

Über die Kunst des Notierens

Notizbücher sind hip. Aber was schreibt man rein? Hanns-Josef Ortheil will mit seinem Buch „Schreiben dicht am Leben“ Hilfestellung geben. Keine Ratgeberliteratur sei die kleine Duden-Reihe zum Kreativen Schreiben, für die Ortheil zuständig ist, sondern ein „Meisterkurs“ (Verlagswerbung), der „sich an den Werkstätten der großen Schriftstellerinnen und Schriftsteller orientiert“ (S. 17). Entsprechend stellt das Buch kein Methodenkompendium dar, sondern zeigt, wie verschiedene Autoren ihre täglichen Notizen gemacht haben. „Schreibaufgaben“ vertiefen die einzelnen Kapitel durch Hinweise für eigene Notizversuche.
Ob es die im Vorwort erwähnte Zielgruppe von Menschen tatsächlich gibt, die ein Notizbuch hat, aber nicht weiß, wozu, sei einmal dahingestellt. Trotzdem ist das Buch zu empfehlen: Zum einen Notizbuchnutzern, die ihre eigene Praxis weiter entfalten, entwickeln, ausbauen möchten, zum anderen allen, die schreiben, aber bislang kein Notizbuch verwenden – denn sie finden hier überzeugend dargelegt, dass das Notieren und Skizzieren eine unverzichtbare Grundform des Schreibens ist. Technisch-pragmatische Hinweise zum Führen eines Notizbuchs gibt es nicht (dazu sei nochmal auf den Notizbuchblog verwiesen). Insbesondere Predigerinnen und Prediger finden hier aber dennoch einige Anregungen dazu, Beobachtungen, Einfälle, Illustrationen für den einen eventuellen, späteren Gebrauch zu sammeln und täglich an der eigenen Sprache zu arbeiten.
Das Buch ist soeben im Bibliografischen Institut erschienen und kostet 14,95€ [Amazon-Link].

Die vollständige Buchbesprechung findet sich wieder auf homilia.de.

Donnerstag, 18. August 2011

Kurzer Blick auf Willobees "The Write Stuff"

"Predigten sind langweilig und oft einfach schlecht" –  Auch wenn dieser Satz in seiner Allgemeinheit so nicht stimmt, zeigt die Erfahrung als Predigthörer, dass da durchaus einiges dran ist. „Schlaffe Predigten“ (sagging sermons) sind denn auch das Hauptproblem, dem Sondra B. Willobee mit ihrem Buch „The Write Stuff“ (zu deutsch: Das Schreibzeug) zu Leibe rücken will. Hier eine kurze Info zu dem Buch. Eine ausführlichere Besprechung gibt es auf homilia.de.
Gegen das Argument, Pfarrerinnen und Pfarrer seien oft zu überlastet, um an ihrer Predigtpraxis zu feilen, setzt Willobee die These, nicht Überlastung sei das Problem, sondern ein Mangel an handwerklichem Wissen. Ihr Buch soll das entsprechende Handwerkszeug liefern.
Lernen lässt sich das Handwerk von Schriftstellern. Bücher zum Kreativen Schreiben gibt es en masse. Sie können zeigen, wie man schreibend Aufmerksamkeit erzielt, Spannung erzeugt und durch eine lebendige Sprache das Interesse hält. Da Willobee aber doch Nachsicht mit den viel beschäftigten Pastoren hat, will sie mit ihrem Buch das konzentrierte Material eines ganzen Regals von Schreibbüchern liefern. Spezielle Übungskapitel geben Tipps, das Gelesene praktisch zu vertiefen. Dadurch schreiben sich Predigten zwar nicht von allein: Gutes Predigen bleibt harte Arbeit. Aber ähnlich wie ein Sportler, so Willobee, müssen auch Prediger ihre Kunst trainieren und üben.
Am Ende steht allerdings zwar auch für überlastete Pfarrerinnen und Pfarrer fest: Predigten schreiben sich auch mit kreativen Methoden nicht von selbst und eine gute Predigtvorbereitung braucht ihre Zeit. Das handwerkliche Schreibzeug führt aber letztlich dazu, sich über die Arbeit, die das Schreiben macht, klar zu werden und seine Predigtpraxis vielleicht zu straffen. Immerhin: Gemeindepfarrer, die Woche für Woche eine Predigt halten, produzieren im Laufe eines Jahres eine Textmenge, die gut und gerne einem Roman entspricht, hebt Thomas Long in seinem Vorwort hervor. Sondra Willobee gelingt es, auf 114 Seiten zentrale Einsichten des Kreativen Schreibens vorzustellen und für die Predigtvorbereitung fruchtbar zu machen. Wer des Englischen mächtig ist und sich noch nicht viel mit Schreibmethoden auseinander gesetzt hat, findet hier eine gute Bündelung der Möglichkeiten.

Literatur: Sondra B. Willobee: The Write Stuff: Crafting Sermons That Capture and Convince, Louisville, Kentucky: Westminster Pr, 2009.
ISBN 0664232817 | 12,99 € | 123 S.


[Zur vollständigen Besprechung auf homilia.de]

Freitag, 17. Juni 2011

Nussbaum erhält Ehrendoktorwürde

Die Chicagoer Ethikerin Martha Nussbaum erhält in Bielefeld die Ehrendoktorwürde zugesprochen. Kennzeichen von Nussbaums moralphilosophischen Ansatz sind Essentialismus und Multikulturalismus. Gemeinsam mit dem indischen Ökonom Amartya Sen hat sie einen Ansatz des Capability Approach entwickelt, das den Wohlstand einer Gesellschaft nicht allein am Einkommen bemisst, sondern insgesamt danach fragt, was Menschen für ein gutes, gelingendes Leben benötigen.
Nussbaum hat dabei auf Basis ihres aristotelischen Essentialismus einen eigenständigen Ansatz entwickelt. Ziel moralischen und politischen Handelns ist demnach, Menschen zu befähigen (Capability), bestimmten Grundbedürfnissen frei und selbstbestimmt nachkommen zu können. Dazu zählt das Bedürfnis, gesund und schmerzfrei zu leben, seine fünf Sinne frei gebrauchen und nach eigenen moralischen und  religiösen Vorstellungen leben zu können.
Die Verleihung des Ehrendoktortitels erfolgt im Rahmen einer internationalen Tagung in Bielefeld unter dem Titel „Human Development Perspectives“ des Bielefeld Center for Education and Capability Research.
[Pressemeldung der Uni Bielefeld]
[Zusammenfassung von Martha Nussbaums Ansatz in der Wikipedia]

Montag, 6. Juni 2011

Jugend predigt

Ein EKD-weiter Predigtwettbewerb lädt Jugendliche zum Predigen ein. Zwei Themen stehen zur Auswahl: die Jahreslosung 2011 ("Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.") und die Geschichte von Kain und Abel ("Soll ich meines Bruders Hüter sein?"). Koordiniert wird der Wettbewerb vom Zentrum für evangelische Predigtkultur - obwohl man auf dessen Homepage keinen Hinweis darauf findet. Aber die EKD wird ja wohl wissen, was sie tut, wenn Sie im Namen des Predigtzentrums zur Teilnahme einlädt [Link auf die EKD-Seite].
Einsendeschluß ist der 31. August. Eingereicht werden können Texte und Videos.